Betriebsrentenstärkungsgesetz

Die Betriebsrente soll attraktiver werden. Mit diesem Ziel verabschiedete der Deutsche Bundestag im Sommer 2017 das „Betriebsrentenstärkungsgesetz“. Vor wenigen Wochen ist es in Kraft getreten. Wir sprachen mit Versicherungsmakler Christian J. Fuchs aus Wedel über betriebliche Altersversorgung (bAV) und die wichtigsten Neuerungen für Unternehmen und Beschäftigte.

Wedel.de: Herr Fuchs, Sie beraten vor allem kleinere und mittelständische Unternehmen in und um Wedel. Was sollten Ihre Mandanten über die betriebliche Altersversorgung (bAV) und das Betriebsrentenstärkungsgesetz wissen?

Christian J. Fuchs: Bei uns in Wedel gibt es eine Reihe großer und namhafter Arbeitgeber, von A wie Astra Zeneca bis V wie Vattenfall. Auch unsere große Schwester, die Hansestadt Hamburg, lockt mit attraktiven Arbeitsplätzen. Da fällt es kleinen und mittelständischen Betrieben in der Region oft schwer, qualifizierte Arbeitnehmer zu gewinnen und an ihr Unternehmen zu binden. Die bAV liefert ihnen gute Argumente im Wettbewerb um Leistungsträger. Und mit dem neuen Betriebsrentenstärkungsgesetz wird die bAV noch attraktiver.

Wedel.de: Bevor wir zu den Neuerungen kommen: Seit wann gibt es eigentlich die bAV und was zeichnet sie aus?

Christian J. Fuchs: Die bAV hat in Deutschland eine lange Tradition. Schon im 13. Jahrhundert führten die ersten Bergwerke in Goslar eine Sozialfürsorge für kranke oder verletzte Bergleute und deren Hinterbliebene ein. Auch die Zünfte und Gilden im Mittelalter praktizierten bereits Vorläufer einer betrieblichen Altersversorgung. Im 19. Jahrhundert haben dann Seekassen und Eisenbahngesellschaften die Idee übernommen, ebenso die noch jungen und rasant wachsenden Großunternehmen wie Siemens, BASF und Hoechst. Von der freiwilligen Fürsorge bis zur betrieblichen Altersversorgung heutiger Prägung dauerte es allerdings noch weitere 100 Jahre. Erst mit dem Betriebsrentengesetz wurden 1974 verbindliche Rahmenbedingungen geschaffen und 2002 ein Rechtsanspruch auf bAV eingeführt.

Für die bAV haben sich fünf verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten etabliert, auch „Durchführungswege“ genannt. Am stärksten verbreitet ist die Direktversicherung, gefolgt von Pensionskasse, Unterstützungskasse, Pensionszusage und Pensionsfonds. Der Beitrag bleibt meistens – oft im Rahmen von Höchstbeträgen – steuer- und sozialfrei. Erst auf die späteren Leistungen werden Abgaben fällig.

Wedel.de: Und jetzt kommt also das Betriebsrentenstärkungsgesetz. Warum wurde es verabschiedet und wer profitiert davon?

Christian J. Fuchs: In Deutschland setzen wir aus guten Gründen auf das Drei-Säulen-Prinzip. Danach steht eine solide finanzierte Altersversorgung auf den drei Säulen staatliche Altersrente, betriebliche Altersversorgung und private Vorsorge. Die staatliche Rente ist längst an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gestoßen; das Versorgungsniveau sinkt. Die bAV kann den Rückgang nicht ausreichend wettmachen. Nur rund 60 % der Beschäftigten haben Anspruch auf eine „Rente vom Chef“. Gerade in Klein- und mittelständischen Betrieben (KMU) ist die bAV gering verbreitet. Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz soll sich das ändern. Hindernisse werden ausgeräumt und zusätzliche Anreize für die bAV geschaffen. Unternehmen und Beschäftigte sind die Gewinner.

Wedel.de: Was sind denn die wichtigsten Neuerungen und ab wann gelten sie?

Christian J. Fuchs: Da gibt es zum Einen die Steuervorteile: Statt bislang 4 % können für Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds nun bis 8 % der Beitragsbemessungsgrenze (West) zur DRV steuerfrei in eine betriebliche Versorgung fließen. Das sind aktuell immerhin 6.240 Euro im Jahr. Außerdem erhalten Arbeitgeber ab 2018 einen Zuschuss, wenn sie Geringverdienern (mit Monatseinkommen bis 2.200 Euro brutto) eine neue bAV zusagen. Arbeitnehmer bekommen Freibeträge bei der Grundsicherung und ihre Riesterzulage steigt auf 175 Euro im Jahr. Ein zusätzlicher Pluspunkt für Beschäftigte: Ab 2019 müssen Arbeitgeber ersparte Sozialversicherungsbeiträge pauschal mit 15 % in den Vertrag einzahlen. Damit steigt der Wert der Versorgung. Für bestehende Verträge gilt das allerdings erst 2021.

Wedel.de: Und was ist mit dem Sozialpartnermodell? Sollte das nicht die wichtigste Neuerung im Betriebsrentenstärkungsgesetz bringen?

Christian J. Fuchs: In der Theorie gibt es das Sozialpartnermodell schon, in der Praxis aber noch nicht. Dahinter steckt die Idee, dass sich die Sozialpartner, also Arbeitgeber und Gewerkschaften, im Tarifvertrag auf eine bAV einigen. Das Sozialpartnermodell ist allerdings an einige Voraussetzungen geknüpft und deshalb in der Praxis nicht so einfach umsetzbar. Bislang gibt es deshalb noch keine entsprechenden Angebote im Markt. Das Ziel, auch Beschäftigte aus KMU besser zu versorgen, wird aus meiner Sicht mit dem Sozialpartnermodell in naher Zukunft noch nicht erreicht.

Aber das ist kein Problem. Denn die bestehenden Durchführungswege der bAV, allen voran die Direktversicherung, haben sich bewährt. Sie sind einfach zu verwalten und dank der Neuerungen für alle Beteiligten jetzt noch attraktiver geworden. Mein Fazit: Das BRSG hat die Rahmenbedingungen für die bAV verbessert. Arbeitgeber sollten die Gunst der Stunde nutzen und jetzt handeln. Wer qualifizierte Mitarbeiter gewinnen und an sein Unternehmen binden will, kommt an der bAV nicht mehr vorbei.

Wedel.de: Herr Fuchs, wir bedanken uns für das aufschlussreiche Gespräch.

Christian J. Fuchs ist Versicherungsmakler aus Überzeugung. Sein Unternehmen FMP Fuchs & Co. KG in Wedel, Bahnhofstraße 50, berät und versichert seit 1995 Handel, Handwerk, Mittelstand und Privatkunden. Weiterführende Information stellt Christian J. Fuchs auf dieser Internetseite bereit.

Link zum Interview auf wedel.de: „Betriebsrente soll attraktiver werden“

Link zu unserer Themenseite: Betriebsrentenstärkungsgesetz – das Wichtigste in 30 Sekunden

Durch die Nutzung dieser Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies, der Erhebung von Daten durch Google Fonts, der Erhebung von Daten durch Google Maps, sowie der Erhebung von Daten durch YouTube zu. Einzelheiten zur Nutzung von Cookies finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.